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Eine Theologie nur für Hörende?

Gehörlosenseelsorge

Eine Theologie nur für Hörende?

Gehörlosen- und Schwerhörigenseelsorger trafen sich in Neudietendorf zur Fachtagung

Die christliche Theologie hat eine „Ohr- und Hörkultur hervorgebracht“, zitiert Frank Mathwig, evangelischer Theologe und Ethikprofessor an der Berner Universität, den deutschen Theologen Fulbert Steffinsky. Mathwig war einer der Referenten der Fachtagung für Gehörlosenseelsorge der mitteldeutschen Landeskirche (EKM) vom 27. bis 30. Januar in Neudietendorf. Dass auf das Hören in unserer Theologie so großer Wert gelegt wird, sei eines der Probleme in der Arbeit mit Gehörlosen und Schwerhörigen, sagt Andreas Konrath, Landespfarrer für Gehörlosenseelsorge in der EMK. Das würde an vielen Stellen im Leben der Kirchengemeinde deutlich, so zum Beispiel beim „Herr, erhöre uns!“ im Gebet. Auch wenn dies anders gemeint ist, grenze das Nicht-Hörende aus. Die Fachtagung befasste sich mit der Frage, wie Gehörlose ihren Platz in den Gemeinden finden können.
„Ein weiteres Problem wurde deutlich: Die Schwerhörigen- und Gehörlosengemeinden pflegen ihre eigene Kultur, haben ihren eigenen Humor und ihre eigene Theologie“, so Konrath gegenüber der Kirchenzeitung. Die Hörbehinderten fragten sich, ob sie wichtige Glieder am Leib Christi seien und von Gott so gewollt oder das „Montagsmodell“ Gottes, das mit Fehlern behaftet ist. Konrath berichtet von einer Initiative aus Norwegen, die Michael Hoffmann aus Oslo vorstellte. Dort habe man einen eigenen Kirchenkreis für Gehörlose gebildet, analog dem Reformierten Kirchenkreis der EMK.
In einer Gehörlosengemeinde könne man nicht seine Predigt für die hörende Gemeinde in Gebärdensprache wiederholen. „Wie Luther aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt hat, so muss man in die Sprache der Gehörlosen übersetzen“, betont der Seelsorger, zum Beispiel mehr mit Anspielen arbeiten und andere Zugänge zu den Texten finden. „Gebärdensprache ist visuell und muss sehr konkret sein.“ Allein auf Technik zu setzen sei nicht der richtige Weg.
Im Übrigen stehe die EMK mit ihren Fortbildungsangeboten für die Gehörlosenseelsorge an der Spitze in Deutschland. (mkz)


Veröffentlicht am 12.02.2014 von Glaube+Heimat