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Erster Schritt zur Gebärdenhochsprache
Erstes umfassendes Wörterbuch mit rund 18 000 Begriffen und Videos erschienenBerlin (epd). Das bisher umfangreichste Wörterbuch für eine Gebärdensprache ist am 31. März in Berlin vorgestellt worden. »Das große Wörterbuch der Deutschen Gebärdensprache« enthält 18 000 Begriffe und Videos. Sie umfassen den deutschen Grundwortschatz sowie Fachbegriffe und Gebärden, die vor allem in Schule und Ausbildung benötigt werden. Der Bundeselternverband gehörloser Kinder, der die Projektleitung für das als DVD erhältliche Wörterbuch hatte, hofft in erster Linie auf Fortschritte bei der Verbreitung der Gebärdensprache unter Pädagogen, Betreuern und Eltern gehörloser Kinder.
Rund 400 000 Menschen in Deutschland, die gehörlos sind oder kaum hören können, nutzen die Deutsche Gebärdensprache. Seit drei Jahren haben sie im Kontakt mit offiziellen Stellen Anspruch auf eine Übersetzung aus der deutschen Lautsprache. Die Umsetzung lasse allerdings zu wünschen übrig, kritisierte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, Andreas Storm (CDU).
Zwar sei die Gebärdensprache als eigenständige Sprache anerkannt. Doch biete das keine Garantie dafür, dass gehörlose Kinder auch in dieser Sprache unterrichtet würden. Das Wörterbuch stelle daher »eine Etappe auf dem Weg zur Chancengleichheit« dar. Guter Unterricht in der eigenen Sprache sei die Voraussetzung für gute Ausbildungsergebnisse, sagte Storm. Das Bildungsministerium hat die Erarbeitung des elektronischen Wörterbuchs mit 187 000 Euro gefördert.
Das Wörterbuch könnte ein erster Schritt zu einer Gebärden-Hochsprache sein. Aus verschiedenen Gebärden-Varianten für einen Begriff oder eine Redewendung aus der Lautsprache wurde jeweils eine Gebärde ausgewählt, die am häufigsten und am weitesten verbreitet ist. Befürchtungen vieler Gehörloser, das Wörterbuch werde zu einer Verflachung führen und die zahlreichen Gebärdensprachen-Dialekte zum Verschwinden bringen, wies Wörterbuch-Autorin Karin Kestner zurück. Die Dialekt-Gebärden würden im Rahmen eines Forschungsprojektes gesammelt. Das Wörterbuch werde künftig ständig ergänzt und aktualisiert.
Vordringliches Ziel sei, die Gebärdensprache zu verbreiten, sagte Kestner: »Es darf keine Verunglimpfung dieser Sprache mehr geben.« Gehörlosen-Pädagogen lehnen es zum Teil bis heute ab, gehörlose Kinder in der Gebärdensprache zu unterrichten, die im 19. und 20. Jahrhundert als »Affensprache« in Kindergärten, Schulen und Ausbildungsstätten verboten war, auch wenn es sich um Spezialeinrichtungen für Taubstumme handelte.
Im Wörterbuch kann man über Suchbegriffe oder per Mausklick die jeweilige Gebärde für einen deutschen Begriff oder eine Redewendung als Videoaufzeichnung finden. Auch das Nachschlagen der Bedeutung von Gebärden in der deutschen Lautsprache ist möglich. Zahlreiche Funktionen erleichtern die Bearbeitung von Gebärdendarstellungen sowie die Zusammenstellung von Unterrichtsmaterial.
Internet: www.kestner.de
epd-Wochenspiegel
9.April.2009
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