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Mittlerin zwischen den Welten
Daumen, Zeigefinger und der kleine Finger in die Höhe – das sind die wunderbarsten Worte, die ein Gehörloser sagen kann: „Ich liebe dich“ in Gebärdenzeichen. „Die schönste Sprache der Welt“, schwärmt Christa Thiede. Die Erfurterin spricht sie fließend und ist damit eine Mittlerin zwischen den Welten.
In der reizüberfluteten Welt der Hörenden gibt es ein stilles Land der Gehörlosen, eine Gemeinschaft mit eigener Kultur, Poesie, eigenem Humor und eigenen Vereinen. Christa Thiede ist eine Art Botschafterin. Auf 50 Thüringer ohne Gehör kommt ein Gebärdensprachdolmetscher. Für Thiede, die mit gehörlosem Vater und Bruder aufwuchs, ist dies schon seit ihrer Jugend der absolute Traumberuf. Ihre Werkzeuge sind ihre Hände, ihre Mimik und ihr einfühlsames Wesen.
In ihrem kleinen Büro in einem Erfurter Hinterhof steht die 45-Jährige auf Abruf bereit. Sie begleitet Gehörlose zum Arzt, hilft ihnen beim Amtsdeutsch auf Behördengängen, dolmetscht im Gabelstapler- oder Computerkurs und wird – wenn nötig – auch nachts zur Polizeiwache gerufen, um die Aussagen ihrer Klienten zu übersetzen. „Ich habe sogar schon ein Baby mit auf die Welt gebracht“, beschreibt sie, wie vielseitig ihr Beruf ist.
Als Kind wurde sie oft ausgelacht, Mitschüler lästerten über ihren tauben Vater. Deswegen platzt ihr heute noch der Kragen, wenn Gehörlose als begriffsstutzig bezeichnet werden. Manche dummen Vorurteile scheinen nicht auszusterben. Thiede kämpft gegen solchen Irrglauben und macht sich für Gehörlose stark. Zum Beispiel unterstützt sie eine Petition, die sich für mehr Untertitel einsetzt.
Wer zwischen den Welten wandelt, findet nicht immer gleich die rechten Worte. „Ich denke in Bildern“, entschuldigt sich die Dolmetscherin in so einem Fall. Für sie ist dies gerade das Schöne an der Gebärdensprache, die ohne lange drumherum zu reden alles gleich auf den Punkt bringt. Auch einschmeichelndes Säuseln kann sich der Redner sparen – es wird nicht wahrgenommen. Thiede schwärmt: „Gehörlosen kann man nichts vormachen. Mit ihrem besonderen Sinn für Körpersprache durchschauen sie ihr Gegenüber in Sekunden.“ Mancher Politiker könnte sich da eine Scheibe abschneiden.
Zur Person
• Christa Thiede spricht von Kindesbeinen an die Gebärdensprache.
• Vor vier Jahren nahm die gelernte Köchin ihren ganzen Mut zusammen und machte sich selbstständig.
• In Berlin ließ sie sich drei Jahre lang berufsbegleitend zur Gebärdendolmetscherin ausbilden.
• Kontakt-Telefon: 03 61/4 22 30 18, E-Mail: Kontakt@BCT-Erfurt.de
Allgemeiner Anzeiger am Sonntag Rudolstadt/Saalfeld/Pößneck
26.Juli.2009
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Über die Person oder vom Autor:
Thiede, Christa
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