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Ton ab!

Jörg Sorge organisiert eine Blindenbibliothek und lässt das amnesty journal von ehrenamtlichen Mitarbeitern auf Tonkassetten sprechen

Ausschnitt aus dem Artikel mit Foto

Lautes Sirenengeheul schrillt aus den Lautsprechern. Dann wird der Ton ausgeblendet, und eine Stimme spricht langsam und deutlich: "Guten Tag liebe Hörerinnen und Hörer. Wir präsentieren Ihnen die zehnte Ausgabe des amnesty journals, Jahrgang 2006." Schon seit zwölf Jahren werden jeden Monat Audiokassetten aufgenommen, damit sich auch Blinde für die Menschenrechte engagieren können. Ins Leben gerufen wurde dieses Projekt vom Vorsitzenden des "KOM-IN-Netzwerks" Jörg Sorge: "Wir möchten Informationen für Blinde barrierefrei bereitstellen", sagt er.

Der gelernte Elektroinstallateur wuchs in der DDR auf. Inwischen arbeitet er als Medienassistent für einen nichtkommerziellen Regionalsender. Mit achtzehn traf der heute 44-jährige eine wichtige Entscheidung. "Während der Musterung fragte man mich, wie ich an der innerdeutschen Grenze bei einem illegalen Übertritt reagieren würde. Mir wurde klar, dass ich für keinen Staat der Welt die Waffe gegen einen Menschen richten will." In der DDR wurde eine Verweigerung nur anerkannt, wenn sie aus humanistischen Überzeugungen oder aus Glaubensgründen geschah: "Damals war ich zwar eher Pazifist als Christ, aber ich nutzte die Möglichkeit, um den Dienst mit der Waffe zu verweigern." Diese Entscheidung brachte ihm nicht nur den christlichen Glauben näher, sondern führte auch zu ersten Kontakten mit Blinden: Nach seiner Verweigerung arbeitet Sorge einige Zeit für die Hörbücherei des christlichen Blindendienstes der DDR. Seitdem engagiert er sich für die Integration blinder Menschen. Nach der Wende gründete Sorge das "KOM-IN-Netzwerk", das unter anderem auch das amnesty journal für Blinde zugänglich macht. "Ich habe selbst Erfahrungen mit einem Staat gemacht, der die Menschenrechte verletzte. Deswegen untrstütze ich ai". Das Angebot wird von einem festen Hörerkreis regelmäßig wahrgenommen. "Bei keiner Ausgabe dürfen die "Briefe gegen das Vergessen" fehlen, sonst hagelt es Beschwerden." sagt Sorge. Inzwischen ist die Technologie, mit der das journal vertont wird, sehr veraltet. Um neue Technik und Software anzuschaffen, ist der Verein auf Spenden angewiesen.

Tatjana Schütz


Veröffentlicht am 19.12.2006 von Tatjana Schütz/ amnesty journal