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Zeitschriften zum Hören

Seit 15 Jahren gibt der Unterloquitzer Verein "Kom-In" Spezialmagazine für Blinde heraus

Jörg Sorge im StudioVon OTZ-Redakteur Robert Mailbeck Unterloquitz. Kann ein blinder oder sehbehinderter Mensch Zeitschriften lesen? Nein, aber er kann sie hören. Und ebensolche Hörzeitschriften für die rund 230 000 Blinden und Sehbehinderten in Deutschland gibt der Unterloquitzer Verein Kom-In-Netzwerk heraus. Damit ist der Verein deutschlandweit fast einzigartig. Sonst gibt es meist Hörbüchereien in München, Münster oder Leipzig, die Hörzeitschriften herausgeben.

500 bis 600 Abonnenten hören die Zeitschriften, darunter in Italien, Spanien oder Großbritannien. Der Versand erfolgt kostenlos und mit besonderen, für Sehbehinderte entwickelten Versandtaschen. "Die Zahl der Leser ist konstant", erzählt der Unterloquitzer Vereinsvorsitzende Jörg Sorge. Zehn Zeitschriften erscheinen dank des Vereins regelmäßig als Hörausgabe. Meist haben sie einen christlichen Schwerpunkt, aber ebenso ist das Menschenrechtsmagazin Amnesty-Journal dabei. "Wir wollten das machen, was andere nicht anbieten", begründet Sorge den Schwerpunkt auf christliche Magazine. Die erste Zeitschrift, das ABC-Journal, hatte Sorge noch 1989 beim gerade neu gegründeten DDR-Medienministerium eingereicht. Damit begann Sorges Engagement für Blinde in Unterloquitz. Der 47-Jährige gründete den Verein 1994. Mitglieder gibt es nur knapp zehn. Sorge versteht den Verein dann auch eher als rechtlichen Rahmen. "Wichtig sind die Abonnenten", erklärt Sorge, der vor 1990 in der Hörbücherei des christlichen Blindendienstes in der Nähe von Zittau arbeitete.
Um die Hörzeitschriften zu erstellen, greift der Verein auf ein Netz von 14 Sprechern zurück. Sie kommen aus der Oberlausitz, Hamburg oder Frankfurt/Main. Das Schwierige daran ist die Kontinuität. Manche Zeitschriften erscheinen alle 14 Tage. Und die Sprecher, welche dies oft neben ihrer Arbeit machen, benötigen viel Zeit: Eine Stunde zu hören bedeutet drei Stunden Arbeit, verdeutlicht Sorge.

Derzeit gibt es bei den Hörzeitschriften und damit auch für den Verein einen großen Umbruch von analog auf digital. Kom-In will den Versand der Hörzeitschriften über Kassetten in diesem Jahr beenden. Stattdessen wird dies nur noch über CDs möglich sein oder über das Herunterladen von der Internetseite. Doch das werde nur wenig in Anspruch genommen. Sorge, der beim Saalfelder Bürgerradio SRB arbeitet, hat die Erfahrung gemacht, dass Blinde oft noch Vorbehalte bei Computern hätten.

Neben den Hörzeitschriften betreibt der Verein eine Internetseite, welche monatlich knapp 1 000 Zugriffe hat. Viele der sehbehinderten Nutzer erfühlen dabei über eine Spezialtastatur den Text vom Bildschirm. Daneben hat der Verein aber auch die Bibel oder ein Buch über Martin Luther King speziell für Blinde überarbeitet. Außerdem betreibt er einen Videokanal auf der Internetplattform youtube, gibt Videos zur Lebenswelt von Sehbehinderten heraus sowie Videos zur Grenzregion oder über das historische Saalfeld für Blinde. Der Titel: Die Saalfelder Historie zum Anfassen.

Die Abonnements für die Hörzeitschriften spielen dabei bei weitem nicht die Kosten für die teils aufwändige Technik herein. So verfügt der Verein in Unterloquitz über ein kleines Studio für Ton- und Bildaufnahmen. Zu rund zwei Dritteln ist der Verein auf Spenden, Zuschüsse und Fördermittel angewiesen und hat sich einen Unterstützerstamm von Stiftungen oder Firmen der Region erarbeitet. Inzwischen hat sich das Engagement des Vereins herumgesprochen. So lud Bundespräsident Horst Köhler Vereinsmitglieder 2007 nach Schwerin ein.

Weitere Infos: www.kom-in.de

Mailbeck, Robert, 15.10.2010


Veröffentlicht am 14.10.2009 von Robert Mailbeck