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Barrierefrei - Blinde brauchen hörbare Informationen

Das KOM-IN-Netzwerk liefert Aktuelles aus der christlichen Welt - nicht nur für Christen

Foto c. Ines Rein-Brandenburg

Kommunikation und Information für Blinde und stark sehbehinderte Menschen: dafür steht das KOM-IN-Netzwerk. Jörg Sorge hat einen Teil seines Wohnhauses im Ortsteil Unterloquitz bei Probstzella (Kirchenkreis Rudolstadt-Saaalfeld) für diese Arbeit eingerichtet: im Aufnahmestudio und einem kleinen Büro laufen die Fäden zusammen für einen Dienst, der Menschen verschiedener Konfessionen in ganz Deutschland erreicht.

Helga Seifert, stark sehbehindert geboren und später ganz erblindet, schätzt besonders die Bibelauslegungen auf Audio-CDs die ihren Glauben stärken. Wer einen Computer nutzen kann, ist im Vorteil, ein Spezialgerät kann Texte vorlesen. Aber auch viele christliche Internetseiten seien nicht "barrierefrei", beklagt Seifert, enthalten zu viele Bilder und grafische Elemente, die nicht "ausgelesen" werden können. Besonders ältere Betroffene können nur Audio-CDs nutzen.

Das KOM-IN-Netzwerk ging nach der Wende aus der kirchlichen Hörbücherei im sächsischen Oberoderwitz hervor - Jörg Sorge ehemaliger Arbeitsplatz, seit er in seiner Ausbildungszeit zum Glauben gekommen war und sich dann auf die Arbeit für die Belange blinder Menschen spezialisiert hatte. Gegen den geplanten Zusammenschluss mit einer ähnlichen Einrichtung in Marburg protestieren blinde Nutzer, berichtet Sorge. Man fürchtete, dass die Themen und Befindlichkeit der Menschen im Osten Deutschlands dort nicht vorkommen. Mittlerweile wurde die Blindenhörbücherei in Marburg nicht mehr von der EKD finanziert und aufgegeben. Jörge Sorge setzte sich dafür ein, die Hörbücherei ehrenamtlich weiterzuführen, seit 1994 im Trägerverein KOM-IN-Netzwerk e.V.

Aus einem Jugendmagazin und dem Pressespiegel entstand das ABC-Magazin: "Informationen aus der christlichen Welt - nicht nur für Christen". Betroffene tragen selbst mit Erfahrungsberichten und Tipps bei und es werden Auszüge von Publikationen verschiedener christlicher Einrichtungen hörbar gemacht: die Kommentare zur täglichen Bibellese "Bibel für heute", die Beratungsschrift "Brennpunkt Seelsorge", die Publikationen des Josua-Werks und der Karmel-Mission, Israelnachrichten, "Der duftende Garten", Publik Forum sowie das "Amnesty-Journal". Auf der Internet-Seite gibt es auch Hinweise für Rüstzeiten, Hörbücher und andere nützliche Informationen für Blinde sowie Videos für Sehende, die das Verständnis für Blinde verbessern sollen.

12 bis 18 ehrenamtliche Sprecher aus ganz Deutschland produzieren die Aufnahmen. Die Hörzeitschriften auf CD erreichen 500 bis 700 Abonnenten. Als Blindensendung in speziellen gelben Versandtaschen transportiert sie die Post europaweit kostenlos. Die Abonnements decken aber nur die Hälfte der Produktionskosten, der Verein ist deshalb auf Spenden und Unterstützung von Firmen und Stiftungen angewiesen.

"Blinde und sehbehinderte Menschen werden in Deutschland nicht gezählt", beklagt der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV). Dementsprechend gehen die rund zehn Jahre alten Schätzzahlen auseinander. Die Landesverbände gehen in Thüringen von rund 5000 Blinden und ca. 15.000 Sehbehinderten aus, in Sachesn-Anhalt von rund 4500 Blinden und 10.000 Sehbehinderten.


Veröffentlicht am 11.10.2011 von Ines Rein-Brandenburg, Glaube+Heimat