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Vielfältige spezielle Angebote - Die Evangelische Blindenseelsorge in Bayern

Nach 12 Jahren geht KR Gerald Kick in den Ruhestand

Gerald Kick steht vor einer Grrafik

Bild c. kina: Gerald Kick steht vor der Grafik "Die Ameise" der blinden Künstlerin Susanne Wartenberg. 

Dreimal gab es Gelegenheit mit dem Beauftragten der bayrischen Landeskirche, KR Gerald Kick, über seine Arbeit in der  Blinden- und Sehbehindertenseelsorge in Bayern zu sprechen. Zuerst vor ca. 11 Jahren, ein Jahr nach dem Beginn seiner Dienstzeit. Dann 2019 etwa zu "Halbzeit", und nun kurz bevor er in den Ruhestand geht.

Was dabei auffällt: Es gibt in der evangelischen Blindenseelsorge in Bayern eine gewisse Kontinuität in den speziellen Angeboten für blinde und sehbehinderte Menschen, die sich durchaus von Entwicklungen in anderen Landeskirchen unterscheidet.

Ob diese Kontinuität beibehalten werden kann, welche Erfahrungen es in Gerald Kicks Dienstzeit gab und was sich ändern wird; das ist in diesem Gespräch mit ihm zu hören.

 

Weitere Informationen: 

https://www.bss-bayern.de/

Transkipt des Gespräches mithilfe von Whisper von OpenAI (an der manullen Korrektur wird noch gearbeitet):


Komm in Netzwerk Nachrichten, kurz Kina.
Heute befinde ich mich und bin zu Besuch am Egidienplatz in Nürnberg bei Pfarrer und Kirchenrat und den Beauftragten für Blinde und Sehbehinderte in der Bayerischen Landeskirche, Pfarrer Gerald Kick. Hallo und guten Tag.
Hallo. Ich freue mich hier sein zu können. Du bist wahrscheinlich bald nicht mehr hier, denn deine Dienstzeit endet nach zwölf Jahren und das soll uns Anlass sein, ein wenig zurückzublicken und ein wenig zu überlegen, wie war deine Zeit hier in der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge für die Bayerische Landeskirche.
Ich erinnere mich, als wir uns das erste Mal in Magdeburg gesprochen haben, warst du ein Jahr in der Arbeit und dein Schwerpunkt oder ein Punkt in deiner Arbeit bestand darin, erst einmal zu schauen, was ist so gelaufen bisher und bewährt es fortzuführen.
Jetzt ist mehr als ein Jahrzehnt vergangen. Ich möchte einfach mal die Frage stellen, gibt es Dinge, die du damals übernommen hast, die bis heute laufen und möglicherweise auch fortgeführt werden, wenn du dann nicht mehr hier bist?
Ja, die meisten Dinge konnte ich weiter übernehmen. Da hat sich gar nicht so viel verändert im Laufe der zwölf Jahre. Natürlich habe ich dann hin und wieder überlegt, was könnte man noch anders machen.
Wo gibt es vielleicht auch aufgrund meiner Interessen auch nochmal eine Möglichkeit, sich was Neues zu leisten? Das habe ich dann schon versucht. Aber letztendlich so die Grundlinien der Blindenseelsorge, so wie es mein Vorgänger auch bis 2014 eingeführt hatte, habe ich dann immer weitergeführt.
Und was waren denn das und was sind denn das für Dinge?
Also das waren einmal im Audiobereich, dass wir unser Hörmagazin nach wie vor produzieren, dass wir auch ökumenisch aufgestellt sind mit den sogenannten ökumenischen Alltagsexerzitien, die wir einmal im Jahr produzieren.
Das ist das eine, was mir auch immer wichtig war. Das andere sind unsere Veranstaltungen, ganz besonders natürlich die Freizeiten, die immer wichtig waren, die teilweise auch ökumenisch aufgestellt sind.
Dann Veranstaltungen vor Ort und natürlich ganz, ganz wichtig die vielen Seelsorgegespräche und die Vernetzung mit anderen Einrichtungen, vor allem eben mit der katholischen Kirche.
Die Alltagsexerzitien, die stechen so ein wenig heraus. Das wird nun, glaube ich, in dem Kontext zählen. Kannst du das etwas genauer erklären?
Ja, die Alltagsexerzitien gibt es in zwei Diözesen und Kirchenkreisen in Bayern. Einmal in Oberbayern, München und dann auch in Bayreuth, Oberfranken und Nürnberg gehört dann da auch dazu.
Es gibt da eine Buchversion, die dann in Gemeinden verwendet wird, wo es sowohl dann Texte für die Einzelmeditation an den Werktagen in der Passionszeit gibt, aber eben dann auch Texte für Gruppentreffen und Gruppenandachten.
Wir haben dann vor allem die Texte für die Einzelmeditation produziert, aufgesprochen, immer ökumenisch.
Beide Seelsorgenden haben das dann übernommen, haben dann zu Beginn und zum Ende auch Andachten ökumenisch angeboten.
Und die Idee ist, dass Menschen vor Ort in ihren Wohnungen dann diese Exerzitien in den fünf Wochen vor Ostern praktizieren können.
Und das kommt gut an. Es wird gerne in Anspruch genommen. Es ist auch noch eine Verbindung.
Sie hören unsere Stimmen und fühlen sich dann auch vertraut mit der ganzen Sache und auch verbunden mit der Blindensorge.
Und es war für uns immer auch eine sehr schöne ökumenische Zusammenarbeit.
So wie das angelegt ist, könnte das doch aber vielleicht auch über Bayern hinaus für Blinde interessant sein?
Allerdings. Es ist vielleicht nicht so bekannt. Wir haben nur wenige Bestellungen von außerhalb Bayerns, sind da aber offen und haben natürlich die CDs immer gerne auch verschickt.
Es ist vielleicht eine Frage, dass es eben herumspricht.
Denn es könnte an jedem Ort in Deutschland, auch in Österreich und in der Schweiz verwendet werden, weil es ja ein Hörprodukt ist.
Und gut, die Andachten vor Ort sind dann nochmal so eine Zugabe. Aber das muss ja nicht unbedingt sein.
Und man kann es ja auch mit den normalen Sonntagsgottesdiensten verbinden.
Das waren die bewährten Sachen. Was sind denn so Ideen, die du eingebracht hast?
Projekte, Veranstaltungen oder eben auch ganz neue Aspekte?
Ja, für mich war immer wichtig, über Produkte wie eben die Audiomagazine auch das geistliche Angebot nicht zu vernachlässigen.
Es ist für mich, also Blindenseelsorge heißt eben dann doch, dass wir vor allem auch mit geistlich-theologischen Inhalten uns auch unterscheiden von den Angeboten der Selbsthilfe.
Und dann kam die Idee auf, man könnte doch auch ein Bibelgespräch auch für blinde, sehende Menschen anbieten.
Das ist dann so ungefähr 2017 passiert. Wir hatten das erst vor Ort in Nürnberg in unserer früheren Dienststelle.
Dann kamen einmal im Monat Menschen aus ganz Nürnberg, aber auch weit außerhalb dann nach Nürnberg.
Und wir hatten dann immer den aktuellen Predigttext besprochen, haben vorab dann die Bibeltexte in Braille oder Großdruck schon mal versandt,
sodass die Menschen auch den Bibeltext schon präsent hatten.
Und das ging dann ja in der Corona-Zeit mit der allgemeinen Veränderung hin, dann auch zu Telefonkonferenzen und so weiter,
haben wir es dann auch ins Telefon verlegt.
Das konnten Menschen dann auch noch weiter entfernt bis Richtung München und Richtung Bayreuth, Würzburg auch teilnehmen.
Und das hat sich dann bewährt und bis heute haben wir ein Bibelgespräch am Telefon.
Einmal im Monat, immer am Mittwochvormittag.
Und für mich hört sich das an, als würden alle auch vor Ort sein und wir uns austauschen.
Es klappt gut auch mit dem Versand der Bibelstellen vorher.
Und so kommen wir munter zusammen und sprechen einen Vormittag über den aktuellen Predigttext.
Ist das nicht ein wenig verwunderlich?
Ich denke, Kirche hat allgemein doch auch schon zu tun, interessant für Menschen zu sein.
Und ein Bibelgespräch ist ja nun doch auch, ich sag mal, der harte Einstieg oder der schon etwas für die Fortgeschritten.
Woran liegt es, dass das bei euch so gut angenommen wird?
Vielleicht daran, dass wir es nach der Methode Bibel teilen praktizieren.
Das ist eher eine, sagen wir mal, nicht so theoretische, nicht so sehr in die Tiefe gehende Version,
wo es jetzt nicht so sehr um die geschichtliche Herkunft der Texte oder sehr, sehr theologische Inhalte geht,
sondern eigentlich geht es eher erfahrungsbezogen.
Die Menschen bringen sich ein mit ihren Erfahrungen mit dem Bibeltext.
Das geht dann auch immer so ein bisschen in die Breite und man geht dann auch immer ein bisschen weg vom Bibeltext.
Und ich glaube, die Erfahrungen einfließen lassen ist sehr wichtig und wird sehr geschätzt.
Und das ist vielleicht auch der Hintergrund, weswegen das so gut läuft und immer wieder auch neue Menschen dazukamen,
sodass wir immer so um die zehn bis zwölf Menschen waren und noch sind, die sich dann gemeinsam austauschen.
Immer auch ökumenisch, war also immer auch sowohl katholische wie auch evangelische Christen dabei.
Das war natürlich auch nochmal eine Bereicherung, dass es nie rein im evangelischen Milieu stattgefunden hat.
Ich habe natürlich noch einmal reingehört in unser Gespräch von 2015 und da bin ich hängen geblieben bei deinem Anliegen und deinem Wunsch,
vielleicht auch mehr jüngere Menschen erschließen oder erreichen zu können für die blinden Seelsorge.
Ist das gelungen?
Also ich war da ehrlich gesagt nicht so erfolgreich, aber wir haben ja in Bayern unser Format, das sich nennt Bibelbranche.
Das hatte schon Jutta Silberhorn vor vielen Jahren eingeführt, die frühere Referentin der Blindenseelsorge.
Es wurde dann von ihrer Nachfolgerin Katrin Biendl übernommen und dieses Format hat schon immer jüngere Menschen angesprochen.
In der Gründungsphase waren es vor allem auch Schülerinnen und Schüler der hiesigen Blindenschule, die teilnahmen.
Die sind dann älter geworden. Es kamen teilweise wieder Jüngere nach.
Und darüber haben wir so ein bisschen Kontakt zu den Jüngeren.
Aber das ist fast schon auch das einzige Format, wo es wirklich gelingt.
Es sind oft auch Menschen mit Mehrfachbehinderung, die nicht so viele Angebote bei anderen Einrichtungen finden
und die dieses gemeinsame Frühstück, das Gespräch, den Austausch, den geistlichen Impuls sehr, sehr schätzen
und mit großer Begeisterung auch einmal im Jahr dann auch gemeinsam verreisen für eine Woche.
Also das funktioniert.
Alles andere, da hat dann Katrin Biendl und ich, wir haben gemeinsam auch versucht, da etwas auf die Beine zu stellen.
Frau Biendl, die eben auch einen religionspädagogischen Hintergrund hat, hat es dann auch mal in alle Richtungen auch vorgefühlt,
ob es da nicht auch Interesse geben könnte.
Wir haben ja auch bei Eltern von blinden und siebenten Kindern nachgefragt.
Aber letztendlich sind wir da nicht so richtig fündig geworden und haben gemerkt,
dass wirklich die, ja, das sind nicht so viele, die sich wirklich dafür auch begeistern könnten.
Und das wäre einfach auch nicht genug, um dann eine Reise oder auch selbst nur ein Wochenende anzubieten.
Aber Bibelbranche funktioniert wunderbar.
Unter diesen Erfahrungen, wie würdest du denn dann auch die Zukunft einschätzen?
Also werdet ihr auch in Zukunft hier genügend Blinde und Sehbehinderte erreichen können?
Bis jetzt geht es gut.
Also natürlich merken wir auch, dass unsere sogenannten Mitglieder, also unser Klientenstamm,
auch kleiner wird durch Menschen, die versterben.
Aber vielleicht auch, wo wir dann nicht mehr die Adressen haben und dann irgendwie auf die Weise auch die Menschen verlieren.
Aber trotz dieses kleineren Stammes sind bei unseren Veranstaltungen immer noch sehr viele Menschen dabei.
Da werden es nicht weniger.
Es bleibt mindestens konstant.
Beim Bibelbranche sogar eher mehr.
Also da merken wir es nicht so.
Aber ja, es ist schon so ein bisschen deutlich, die Menschen orientieren sich mindestens zweigleisig.
Sie sind natürlich auch bei anderen Einrichtungen unterwegs.
Wir sind da nicht mit einem Alleinstellungsmerkmal vor Ort.
Aber wir werden nach wie vor sehr geschätzt und unsere Veranstaltungen kommen gut an.
Das kann man nach wie vor so sagen.
Und das war jetzt über die zwölf Jahre auch ein sehr konstanter Faktor.
Als wir uns 2019 unterhielten, war das Zentrum Inklusion noch in Vorbereitung.
Das hat ja dann wahrscheinlich ein ganzes Stück eurer Arbeit hier beeinflusst, möglicherweise auch verändert.
Was kannst du dazu sagen?
Ja, das Zentrum Inklusion, das ist hier in Nürnberg am Egidienplatz.
Ein gemeinsames Haus der Gehörlosenseelsorge, der gebärdensprachlichen Kirchengemeinde,
deren auch Beratungszentren Richtung auch Teilhabe.
Dann der Schwerhörigenseelsorge und wir als dritte Einrichtung dann von der Blinden- und Sehbhindertenseelsorge.
Die Schwerhörigenseelsorge sind eindeutig die beiden kleinen Partner.
Die wirklich große Einrichtung sind die Gehörlosen, die Gehörlosenseelsorge.
Das ist etwas, was es nicht immer ganz einfach macht in der Zusammenarbeit und auch mit gemeinsamen Projekten.
Aber wie du sagst, es hat auch viel Zeit verschlungen, um erst mal so dieses Gemeinsame hier in dem Haus auch zu bewerkstelligen.
Wir waren sehr stark in die Planung des Gebäudes mit der Architektin immer einbezogen.
Wir mussten dann überlegen, wie wir uns überhaupt hier im Haus verständigen, was gemeinsam geht und was nicht.
Und es geht natürlich auch darum, in die Zukunft zu blicken, denn die Landeskirche in Bayern hat auch weniger Geld,
muss auch sparen an Personal und auch, was sie finanziell noch leisten kann.
Und das bedeutet natürlich auch die Frage, was kann auch zusammengelegt werden?
Da geht es natürlich weniger um die Inhalte, denn die sind aufgrund der Kommunikation kaum gemeinsam zu bewältigen.
Es geht dann eher um die Verwaltung, um gemeinsame Strukturen.
Und man sagt, das machen alle drei Einrichtungen ja parallel.
Da könnte man eher dann auch Synergieeffekte erzielen.
Und da sind wir im Gespräch und da wird sicherlich auch manches sich noch ändern in den nächsten Jahren.
Die Unterstützung der Landeskirche drückt sich ja hier zum Beispiel in diesem Zentrum Inklusion aus.
Du hast es schon angesprochen, auch die bayerische Landeskirche wird nicht verschont von den aktuellen Entwicklungen.
Was denkst du denn, wie sich das konkret auswirken wird in der Arbeit der blinden Seelsorge in den nächsten Jahren,
wenn es tatsächlich darum gehen müsste zu sparen?
Also ganz konkret geht es darum, dass meine Nachfolgerin, sie ist mittlerweile bekannt, es wird Diakonin Stefanie Harkort sein,
dass die nur noch eine halbe Stelle haben wird.
Und das heißt natürlich dann auch, vom Umfang ihrer Aufgaben wird zu überlegen sein, was sie noch machen kann und was nicht.
Also das wird erstmal ihre ersten Monate ab September dann sicherlich betreffen, dass sie darüber nachdenkt,
was kann fortgeführt werden, aber wo muss ich auch sagen, das geht dann nicht mehr.
Das ist also schon mal eine ganz konkrete Maßnahme.
Es geht auch darum, eben über die Zusammenarbeit mit den anderen Einrichtungen zu sehen,
was kann vielleicht da abgefedert werden.
Da ist, denke ich, Kreativität nötig und da gibt es auch einen gewissen Druck auch von der Kirchenleitung
und von unseren Vorgesetzten.
Ganz eins zu eins so weitermachen, wie ich es die letzten zwölf Jahre erlebt habe, wird nicht möglich sein.
Und wir hatten in den letzten Monaten auch viele gemeinsame Sitzungen,
wo wir gerade über diesen Aspekt Einsparung, Zusammenarbeit und so weiter intensiv nachgedacht haben.
Wenn ich mich so informiere über die christliche oder evangelische Blinden- und Sehbehindertenarbeit
in der Bayerischen Landeskirche, da fällt auf Nürnberg, Hof oder auch in München.
Also die großen Städte, da ist die Arbeit sehr stark.
Wie ist es denn für Blinde im ländlichen Raum?
Also im ländlichen Bereich wird von evangelischer Seite nicht mehr viel angeboten,
über die schon erwähnten Städte hinaus.
Da sind wir vor allem über das Telefon vertreten.
Das ist nach wie vor unsere Stärke, dass wir doch einen recht großen Stamm an Mitgliedern haben,
wo wir dann zu Geburtstagen anrufen, wo wir, wenn wir wissen,
das ist wirklich Gesprächsbedarf, uns auch aktiv melden.
Also das ist unsere Stärke, dass wir wirklich wie eine Art Telefonseelsorge
in allen Teilen Bayerns auch noch vertreten sein können.
Das hat natürlich auch noch mit unserem Personal und mit der Personalstärke zu tun.
Katrin Kindl, die Referentin, hat eine ganze Stelle nach wie vor.
Ich hatte die volle Stelle und so konnten wir da doch immer noch sehr stark seelsorgerlich
auch uns bis in alle Ecken Bayerns auch zeigen und immer noch präsent sein.
Zur letzten Fachtagung des Dachverbandes der evangelischen Blinden- und Sehbehindertenseelsorge
hast du ein Podium moderiert.
Dort ging es um die Zukunft der Blindenseelsorge.
Und es waren Teilnehmer aus allen Landeskirchen,
oder fast allen Landeskirchen aus der ganzen Bundesrepublik da.
Wenn ich so versuche, mir ein Bild zu verschaffen,
dann habe ich doch den Eindruck, dass ihr im Vergleich zu anderen Landeskirchen,
wo es teilweise gar keine Beauftragten mehr für diesen Bereich gibt,
doch auch einen anderen Weg beschreitet.
Denken wir zum Beispiel an den Morden.
Dort wird die Blinden- und Sehbehindertenseelsorge,
weiß nicht, ob ich das richtig ausdrücke, mehr verlagert in die Gemeinden.
Sodass also Gemeinden angeleitet werden für Blinde und Sehbehinderte inklusive Angebote
oder beziehungsweise sie dort inkludieren zu können.
Du hast es schon angesprochen, ganz zu Beginn unseres Gesprächs,
dass ihr doch eine sehr bewährte, direkte Ansprache
und direktes Miteinander mit Blinden, Blindenkreisen habt.
Das unterscheidet sich doch schon so ein bisschen von dem,
was man so in anderen Landeskirchen wahrnimmt.
Wie siehst du denn die Zukunft von Blinden- und Sehbehindertenseelsorge?
Ja, da kann ich jetzt erstmal auch nur für Bayern sprechen.
Da sehe ich, dass wirklich Bayern noch einen Schwerpunkt setzt,
auch für eine direkte Beauftragung und auch eine Fachstelle für Blinden- und Sehbehindertenseelsorge.
Dass wir wirklich dann auch versuchen, Menschen direkt zu erreichen,
auch entsprechende Produkte auch haben, Kirchengemeinden auch eher beraten.
Aber die inklusive Aufstellung, von der du ja auch sprichst,
dass dann Kirchengemeinden das selbst bewältigen sollen
und dann auch entsprechendes Know-how haben,
das ist in Bayern eher noch unterentwickelt.
Kirche und Inklusion in Bayern ist ja im Gespräch,
aber bei Weitem noch nicht so umgesetzt wie in anderen Landeskirchen.
Wobei man da auch kritisch sagen muss,
manche Landeskirchen sprechen da auch nur von Inklusion
und die tatsächliche Umsetzung ist dann auch nicht unbedingt so optimal.
Und die Menschen vor Ort gehen dann auch verloren,
weil sie eben dann niemand mehr haben, an den sie sich wenden können.
Und die Kirchengemeinden sind dann teilweise auch überfordert.
Und daher sind wir in Bayern dankbar, dass wir diesen Status noch haben,
dass wir immerhin auch trotz der Einsparung noch mit eineinhalb Stellen vertreten sind,
die wirklich inhaltliche, seelsorgerliche Arbeit machen können.
Dazu kommt ja noch dann eine Assistenzstelle noch dazu,
die von zwei Mitarbeitenden ausgefüllt wird.
Also wir stehen noch ganz gut da,
aber natürlich wird es auch in Bayern langfristig sich die Frage stellen,
inwieweit dann Kirchengemeinden und andere Einrichtungen
mehr noch befähigt werden müssen,
auch unseren Auftrag erst mal ergänzend zu übernehmen
oder irgendwann dann doch auch mal das komplett auch machen.
Wenn du deine Dienstzeit so nochmal vom inneren Auge ablaufen lässt,
was waren denn schwierige Situationen
und was waren ja so eine Art Highlights?
Schwierige Situationen war eigentlich ja eigentlich eine,
als im letzten Jahr meine direkte Kollegin,
Referentin Katrin Biendl, über eine lange Zeit,
viele Monate erkrankt war,
es unsicher war, wie wird es weitergehen bei ihr.
Ich improvisieren musste,
quasi dann auch Veranstaltungen übernehmen und planen musste.
Dann kam mit Stephanie Harkort immerhin für ein halbes Jahr
dann eine Vertretung, aber das Ganze drumherum war schon schwierig zu handeln
und hat dann auch bei mir viele Ressourcen dann auch gefordert
und ein bisschen auch zu meinem verfrühten Ruhestand beigetragen.
Das war aber eigentlich das Einzige,
wo ich jetzt so ein bisschen Schattenseiten sehe.
Ansonsten war es eigentlich immer eine sehr motivierende Arbeit.
Ich habe die vielen, vielen Kontakte mit den blinden und sehnenden Menschen,
aber auch im Kollegenkreis, sei es in der Ökumene,
aber auch deutschlandweit über DeBeSS auch sehr, sehr genossen
und immer als hilfreich und als Rückenwind erlebt.
Und bin auch nach wie vor dankbar gewesen,
dass ich große Freiheiten hatte, um auch eigene Ideen einzubringen,
sei es auch kreative, künstlerische Elemente wie Kunst inklusiv
mit der Hildesheimer Blindenmission zusammen,
musikalische Projekte und wie gesagt auch die Ökumene und die Reisen.
Da war wirklich auch viel Flexibilität drin
und einer Höhepunkt war nach wie vor auch die Reise nach Finnland, nach Helsinki,
die natürlich was ganz Besonderes auch für mich war.
An der Schwelle zum Ruhestand, ich weiß nicht, ob ich das richtig ausdrücke,
wie fühlst du dich da?
Gibt es etwas, was du dir vorgenommen hast oder ist es einfach so,
dass du sagst, jetzt erst mal abtauchen?
Ja, jetzt ist erst mal noch in den nächsten Wochen bis zum 30.06.
auch natürlich dieses Hin- und Hergerissen sein zwischen Vorfreude,
aber auch Abschiedsschmerz, die vielen Verabschiedungen mit vertrauten Menschen.
Dann die Vorfreude ist auch da.
Ich freue mich jetzt dann im Sommer drei Monate am Stück in Finnland sein zu können.
Das ist natürlich ein Luxus, der vorher nicht möglich war
und werde mich meinen Hobbys dann mehr widmen
und mir natürlich ab Herbst dann auch Ehrenämter suchen.
Meine Frau ist ja schon im Ruhestand und hat da schon viele Ehrenämter gefunden
und da würde es mir keinen Spaß machen, zu Hause zu sitzen und zu warten,
bis sie dann wieder zurückkommt.
Ich danke ganz herzlich für das Gespräch zur Offenlegung oder wie das häufig genannt wird.
Das KOM-IN-Netzwerk arbeitet recht intensiv und ich finde sehr gut
mit der Blinden- und Sehbehinderten-Seelsorge Bayerns zusammen,
indem wir für die Online-Abonnenten des Egidien-Presse-Rundblicks
die Bereitstellung und Aufbereitung übernehmen und bei den doch der ganzen Reihe von Tagungen
und Konferenzen des Dachverbandes sind wir uns immer wieder begegnet
und haben auch in verschiedenen Arbeitsgruppen zusammengearbeitet
und ich erinnere mich an eine sehr konstruktive, angenehme Zusammenarbeit
in den verschiedenen Fachgruppen und wünsche alles Gute für die nächste Zeit.
Dankeschön und ich wünsche aber auch KOM-IN dann nach wie vor eine sehr erfolgreiche Arbeit.
Wie gesagt, wir waren auch sehr dankbar über die Zusammenarbeit,
da kamen viele wertvolle Tipps und ich wünsche euch da auch ein gutes Weiterkommen,
auch immer die finanziellen Lösungen, die dann auch die Arbeit ermöglichen,
auch dann in Zeiten, wenn dann vielleicht die CD langsam ersetzt wird durch andere Produkte,
dass ihr auch da weiterhin dieses Feld bearbeitet und präsent bleibt,
denn das ist unheimlich wichtig und für die Menschen vor Ort
und auch die Einrichtungen vor Ort ganz, ganz wichtig.
Herzlichen Dank für das Interview.
Zum Abschluss die Kontaktdaten für die Evangelische Blinden- und Sehbehinderten-Seelsorge Bayerns.
Sie ist zu finden im Zentrum Seelsorge und Teilhabe am Egidienplatz 33 in 90403 Nürnberg.
Telefon 0911 81 00 5455
Die E-Mail-Adresse lautet bss-bayern-at-elkb.de
Und die Internetadresse lautet www.bss-bayern.de
Das war ein Beitrag von Jörg Sorge und dem KOM-IN-Netzwerk.


Veröffentlicht am 21.05.2026 von Sorge/ Kick