Vielfältige spezielle Angebote - Die Evangelische Blindenseelsorge in Bayern

Bild c. kina: Gerald Kick steht vor der Grafik "Die Ameise" der blinden Künstlerin Susanne Wartenberg.
Dreimal gab es Gelegenheit mit dem Beauftragten der bayrischen Landeskirche, KR Gerald Kick, über seine Arbeit in der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge in Bayern zu sprechen. Zuerst vor ca. 11 Jahren, ein Jahr nach dem Beginn seiner Dienstzeit. Dann 2019 etwa zu "Halbzeit", und nun kurz bevor er in den Ruhestand geht.
Was dabei auffällt: Es gibt in der evangelischen Blindenseelsorge in Bayern eine gewisse Kontinuität in den speziellen Angeboten für blinde und sehbehinderte Menschen, die sich durchaus von Entwicklungen in anderen Landeskirchen unterscheidet.
Ob diese Kontinuität beibehalten werden kann, welche Erfahrungen es in Gerald Kicks Dienstzeit gab und was sich ändern wird; das ist in diesem Gespräch mit ihm zu hören.
Weitere Informationen:
Das Transkipt des Gespräches:
Intro KOM-IN-Netzwerk Nachrichten, kurz Kina. Heute bin ich zu Besuch am Egidienplatz in Nürnberg bei Kirchenrat Pfarrer Gerald Kick, dem Beauftragten für Blinde und Sehbehinderte in der Bayrischen Landeskirche. Sorge: Hallo! Guten Tag! Ich freue mich, hier sein zu können. Du bist wahrscheinlich bald nicht mehr hier; denn Deine Dienstzeit endet nach zwölf Jahren. Dies soll uns Anlass sein, rückblickend zu überlegen, wie Deine Zeit hier in der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge für die Bayrische Landeskirche gewesen ist. Ich erinnere mich, als wir uns das erste Mal in Magdeburg gesprochen haben. Du warst ein Jahr mit dieser Aufgabe befasst. Ein Aspekt Deiner Tätigkeit bestand darin, zu schauen, was bisher gelaufen ist, was sich bewährt hat und weiterhin fortgeführt werden sollte. Jetzt ist mehr als ein Jahrzehnt vergangen. Ich möchte Dir die Frage stellen: Gibt es Angebote, die du damals übernommen hast, welche sich bis heute bewährt haben, und möglicherweise auch bestehen bleiben können, wenn Du dann nicht mehr hier bist? Kick: Ja, das Meiste konnte ich übernehmen. Da hat sich im Laufe der zwölf Jahre gar nicht so viel verändert. Natürlich habe ich dann hin und wieder überlegt, was könnte man noch anders machen. Wo gibt es vielleicht aufgrund meiner Interessen eine Möglichkeit, sich etwas Neues zu leisten? Das habe ich dann versucht. Aber letztendlich habe ich die Grundlinien der Blindenseelsorge, so wie sie mein Vorgänger bis 2014 eingeführt hatte, immer weitergeführt. Sorge: Was hast Du übernommen, was neu geschaffen? Kick: Im Audiobereich produzieren wir nach wie vor unser Hörmagazin. Einmal im Jahr produzieren wir die sogenannten ökumenischen Alltagsexerzitien. Das ist das Eine, was mir immer wichtig war. Das Andere sind unsere Veranstaltungen, ganz besonders natürlich die Freizeiten, die ebenfalls immer wichtig waren, teilweise auch ökumenisch stattfinden, dazu die Veranstaltungen vor Ort. Natürlich - ganz wichtig - die vielen Seelsorgegespräche, die Vernetzung mit anderen Einrichtungen, vor allem mit der katholischen Kirche. Sorge: Die Alltagsexerzitien stechen ein wenig hervor. Kannst Du das etwas genauer erklären? Kick: Ja, die Alltagsexerzitien gibt es in zwei Diözesen und Kirchenkreisen in Bayern. Einmal in Oberbayern, München und dann auch in Bayreuth. Oberfranken und Nürnberg gehören ebenfalls dazu. Es gibt eine Buchversion, die in den Gemeinden verwendet wird, wo es sowohl Texte für die Einzelmeditation an den Werktagen in der Passionszeit gibt, aber auch Texte für Gruppentreffen und Gruppenandachten. Wir haben vor allem die Texte für die Einzelmeditation produziert, aufgesprochen, immer ökumenisch. Beide Seelsorgenden haben das übernommen. Zu Beginn und zum Ende haben wir Andachten ökumenisch angeboten. Die Idee ist, dass Menschen vor Ort in ihren Wohnungen diese Exerzitien in den fünf Wochen vor Ostern praktizieren können. Das kommt gut an. Es wird gerne in Anspruch genommen. Es schafft auch noch eine Verbindung. Sie hören unsere Stimmen und fühlen sich vertraut mit der ganzen Sache, verbunden mit der Blindenseelsorge. Für uns war dies immer eine sehr schöne ökumenische Zusammenarbeit. Sorge: So wie das angelegt ist, könnte das doch vielleicht auch über Bayern hinaus für Blinde interessant sein? Kick: Allerdings. Es ist vielleicht nicht so bekannt. Wir haben nur wenige Bestellungen von außerhalb Bayerns, sind aber offen und haben die CDs immer gerne verschickt. Es ist vielleicht eine Frage, dass es sich herumspricht. Denn es könnte an jedem Ort in Deutschland, auch in Österreich und in der Schweiz verwendet werden, weil es ja ein Hörprodukt ist. Gut, die Andachten vor Ort sind dann noch eine Zugabe. Aber das muss nicht unbedingt sein. Man kann es ja auch mit den normalen Sonntagsgottesdiensten verbinden. Sorge: Das waren die bewährten Sachen. Was sind denn Ideen, die Du eingebracht hast? Projekte, Veranstaltungen oder ganz neue Aspekte? Kick: Für mich war immer wichtig, über den Audiomagazinen das geistliche Angebot nicht zu vernachlässigen. Das heißt, in die Blindenseelsorge im Unterschied zu den Angeboten der Selbsthilfe, geistlich-theologische Inhalte einzubringen. Dann kam die Idee auf, man könnte doch auch ein Bibelgespräch für blinde und sehende Menschen anbieten. Das ist dann ungefähr 2017 passiert. Wir hatten das erst vor Ort in Nürnberg in unserer früheren Dienststelle. Zunächst kamen einmal monatlich Menschen aus ganz Nürnberg, aber später auch von weit außerhalb der Stadt. Wir haben immer den aktuellen Predigttext besprochen. Im Vorfeld haben wir die Bibeltexte in Braille-Schrift oder Großdruck versandt, sodass der Text schon präsent war. Während der Corona-Zeit mit den allgemein einhergehenden Veränderungen hin zu Telefonkonferenzen, haben auch wir das Bibelgespräch ins Telefon verlegt. Daran konnten Interessenten dann sogar aus Richtung München, Bayreuth, Würzburg teilnehmen. Das hat sich bewährt. Bis heute haben wir ein Bibelgespräch am Telefon Einmal im Monat, immer am Mittwochvormittag. Für mich hört sich das so an, als würden alle zum persönlichen Austausch vor Ort sein. Es klappt gut, auch mit dem Versand der Bibelstellen vorher. So kommen wir munter zusammen und sprechen einen Vormittag über den aktuellen Predigttext. Sorge: Ist das nicht ein wenig verwunderlich? Ich denke, Kirche hat doch allgemein schon damit zu tun, interessant für Menschen zu sein. Ein Bibelgespräch ist ja nun, ich sage mal, der harte Einstieg oder etwas für die Fortgeschritten. Woran liegt es, dass dies bei euch so gut angenommen wird? Kick: Vielleicht daran, dass wir es nach der Methode „Bibel teilen“ praktizieren. Das ist eine nicht so theoretische, nicht so sehr in die Tiefe gehende Version. Es geht nicht so sehr um die geschichtliche Herkunft der Texte oder theologische Inhalte, sondern eigentlich geht es viel eher um Erfahrungen mit dem biblischen Text, das heißt, die Menschen bringen sich mit ihren Erfahrungen mit dem Bibeltext ein. Das geht dann auch immer ein bisschen in die Breite, abweichend vom Bibeltext. Ich glaube, die Erfahrungen einfließen lassen, ist sehr wichtig und wird sehr geschätzt. Dies ist vielleicht auch der Hintergrund, weswegen das so gut läuft und immer wieder neue Menschen dazu kamen, sodass wir immer so um die zehn bis zwölf Menschen waren und noch sind, die sich gemeinsam austauschen. Es waren immer sowohl katholische wie auch evangelische Christen dabei. Das war natürlich eine zusätzliche Bereicherung, dass es nie rein im evangelischen Milieu stattgefunden hat. Sorge: In unser Gespräch von 2015 habe ich noch einmal hinein gehört. Hängen geblieben bin ich bei Deinem Anliegen / Deinem Wunsch, mehr jüngere Menschen für die Blindenseelsorge zu erreichen. Ist das gelungen? Kick: Ich war in dieser Hinsicht, ehrlich gesagt, nicht so erfolgreich. Aber wir haben ja in Bayern unser Format, das sich Bibelbranch nennt. Das hatte schon Jutta Silberhorn vor vielen Jahren eingeführt, die frühere Referentin der Blindenseelsorge. Es wurde dann von ihrer Nachfolgerin Katrin Biendl übernommen. Dieses Format hat schon immer jüngere Menschen angesprochen. In der Gründungsphase waren es vor allem Schülerinnen und Schüler der hiesigen Blindenschule, die teilnahmen. Diese sind dann älter geworden. Es kamen teilweise wieder Jüngere hinzu. Über dieses Format haben wir ein wenig Kontakt zu den Jüngeren. Aber das ist fast schon das einzige Format, wo es wirklich gelingt. Es sind oft Menschen mit Mehrfachbehinderung, die nicht so viele Angebote bei anderen Einrichtungen finden und die dieses gemeinsame Frühstück, das Gespräch, den Austausch, den geistlichen Impuls sehr schätzen, mit großer Begeisterung auch einmal jährlich gemeinsam für eine Woche verreisen. Das funktioniert. Katrin Biendl und ich haben gemeinsam versucht, etwas auf die Beine zu stellen. Frau Biendl mit ihrem religionspädagogischen Hintergrund hat dann in alle Richtungen vorgefühlt, ob es da nicht auch Interesse geben könnte. Wir haben auch bei Eltern von blinden und sehbehinderten Kindern nachgefragt. Aber letztendlich sind wir nicht fündig geworden und haben gemerkt, es sind nicht so viele, die sich wirklich dafür begeistern könnten. Es wären nicht genug, um dann eine Reise oder auch selbst nur ein Wochenende anzubieten. Bibelbranch funktioniert wunderbar. Sorge: Wie würdest Du aufgrund dieser Erfahrungen die Zukunft einschätzen? Werdet ihr auch in Zukunft hier genug blinde und sehbehinderte Menschen erreichen können? Kick: Bis jetzt geht es gut. Natürlich merken wir auch, dass unsere Mitglieder, unser Klientel, kleiner wird durch Menschen, die versterben. Vielleicht fehlen uns dann auch die Adressen und wir verlieren dadurch die Menschen. Aber trotz dieses kleineren Stammes sind bei unseren Veranstaltungen immer noch sehr viele Menschen dabei. Da werden es nicht weniger. Mindestens bleibt die Zahl der Teilnehmenden konstant. Beim Bibelbranch sind es sogar mehr. Da merken wir es nicht so. Aber es ist schon deutlich; die Menschen orientieren sich mindestens zweigleisig. Sie sind natürlich auch bei anderen Einrichtungen unterwegs. Wir sind nicht mit einem Alleinstellungsmerkmal vor Ort. Aber wir werden nach wie vor sehr geschätzt und unsere Veranstaltungen kommen gut an. Das kann man nach wie vor so sagen. Und das war jetzt über die zwölf Jahre auch ein sehr konstanter Faktor. Sorge: Als wir uns 2019 unterhielten, war das Zentrum Inklusion noch in Vorbereitung. Das hat ja dann wahrscheinlich ein ganzes Stück Eurer Arbeit hier beeinflusst, möglicherweise auch verändert. Was kannst Du dazu sagen? Kick: Das Zentrum „Inklusion“ befindet sich hier in Nürnberg am Egidienplatz - ein gemeinsames Haus der Gehörlosenseelsorge, der gebärdensprachlichen Kirchgemeinde, Beratungszentren in Richtung Teilhabe, der Schwerhörigen-Seelsorge und wir als dritte Einrichtung der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge. Die Schwerhörigenseelsorge ist eindeutig der kleinere Partner. Die wirklich große Einrichtung sind die Gehörlosen, die Gehörlosenseelsorge. Die Zusammenarbeit bei gemeinsamen Projekten ist nicht immer ganz einfach. Aber wie Du sagst, es hat viel Zeit verschlungen, um erst einmal dieses Gemeinsame hier in dem Haus zu bewerkstelligen. Wir waren immer sehr stark in die Planung des Gebäudes mit der Architektin einbezogen. Wir mussten dann überlegen, wie wir uns hier im Haus darüber verständigen, was gemeinsam möglich ist und was nicht. Es geht natürlich darum, in die Zukunft zu blicken. Auch die Landeskirche in Bayern hat weniger Geld zur Verfügung, muss deshalb an Personal sparen und überlegen, was sie sich finanziell noch leisten kann. Daraus ergibt sich zwangsläufig die Frage, was zusammengelegt werden könnte. Dabei geht es weniger um die Inhalte. Diese sind aufgrund der Schwierigkeiten bezüglich der Kommunikation kaum gemeinsam zu bewältigen. Vielmehr geht es um die Verwaltung, um gemeinsame Strukturen. Und man sagt, das machen alle drei Einrichtungen ja parallel. Da könnte man viel eher Synergieeffekte erzielen. Diesbezüglich sind wir im Gespräch. In dieser Hinsicht wird sich in den nächsten Jahren sicherlich noch manches ändern. Die Unterstützung durch die Landeskirche kommt beispielsweise in diesem Zentrum „Inklusion“ zum Ausdruck. Sorge: Du hast es schon angesprochen, auch die bayrische Landeskirche wird von den aktuellen Entwicklungen nicht verschont. Was denkst du denn, wie sich das konkret auf die künftige Arbeit der Blinden- und Sehbehinderten-Seelsorge auswirken wird, wenn es darum gehen muss zu sparen? Kick: Ganz konkret: Meine Nachfolgerin, die Diakonin Stefanie Harkort, wird nur noch eine halbe Stelle haben. Das heißt, vom Umfang ihrer Aufgaben her wird zu überlegen sein, was sie noch machen kann und was nicht. Dies wird ab September zunächst in den ersten Monaten von ihr zu entscheiden sein. Sie muss darüber nachdenken, was fortgeführt werden kann und was dann nicht mehr möglich ist. Das ist also schon mal eine ganz konkrete Maßnahme. Wie die weitere Zusammenarbeit mit den anderen Einrichtungen ausgestaltet werden kann, was kann vielleicht abgefedert werden. Kreativität ist nötig, denke ich. In dieser Hinsicht gibt es auch einen gewissen Druck von der Kirchenleitung und von unseren Vorgesetzten. Eins zu eins so weitermachen, wie ich es die letzten zwölf Jahre erlebt habe, wird nicht möglich sein. Wir hatten in den letzten Monaten viele gemeinsame Sitzungen, wo wir gerade über diese Aspekte Einsparung, Zusammenarbeit und so weiter intensiv nachgedacht haben. Sorge: Wenn ich mich über die christliche Blinden- und Sehbehinderten-Arbeit in der Bayrischen Landeskirche informiere dann fällt auf, dass in den Großstädten Nürnberg, Hof oder auch in München die Arbeit sehr gut organisiert ist. Wie ist es denn für Blinde im ländlichen Raum? Kick: Im ländlichen Bereich wird von evangelischer Seite über die schon erwähnten Städte hinaus nicht mehr viel angeboten. Dort sind wir vor allem über das Telefon verbunden. Es ist nach wie vor unsere Stärke, dass wir einen recht großen Stamm an Mitgliedern haben, bei denen wir zu Geburtstagen anrufen. Wenn wir wissen, dass wirklich Gesprächsbedarf besteht, melden wir uns aktiv. In allen Teilen Bayerns können wir bisher noch mit einer Art Telefonseelsorge vertreten sein. Auch das ist unsere Stärke. Das hat natürlich auch noch mit unserer Personalstärke zu tun. Katrin Kindl, die Referentin, hat eine ganze Stelle nach wie vor. Ich hatte ebenfalls eine volle Stelle. Somit konnten wir bis in alle Ecken Bayerns hinein seelsorgerlich immer noch starke Präsenz zeigen. Sorge: Zur letzten Fachtagung des Dachverbandes der evangelischen Blinden- und Sehbehinderten-Seelsorge hast Du ein Podium moderiert. Dort ging es um die Zukunft der Blindenseelsorge. Und es waren Teilnehmende aus fast allen Landeskirchen des ganzen Bundesgebietes vertreten. Wenn ich versuche, mir ein Bild zu verschaffen, dann habe ich doch den Eindruck, dass Ihr im Vergleich zu anderen Landeskirchen, wo es teilweise gar keine Beauftragten mehr für diesen Bereich gibt, doch einen anderen, besseren Weg beschreitet. Denken wir zum Beispiel an den Norden. Dort wird die Blinden- und Sehbehindertenseelsorge, wenn ich das richtig ausdrücke, mehr in die Ortsgemeinden verlagert. Gemeinden sollen angeleitet werden, für Blinde und Sehbehinderte inklusive Angebote zu machen bzw. sie dort inkludieren zu können. Schon ganz zu Beginn unseres Gesprächs wurde sehr deutlich, dass Ihr eine sehr bewährte, direkte Nähe, intensives Miteinander zu Blinden und Blindenkreisen habt. Das unterscheidet sich doch sehr von dem, was man so von anderen Landeskirchen wahrnimmt. Wie siehst du denn die Zukunft von Blinden- und Sehbehindertenseelsorge überhaupt? Kick: Ich kann zunächst nur für Bayern sprechen. Ich sehe tatsächlich, dass Bayern insofern einen Schwerpunkt setzt, indem es noch Beauftragung für diesen Bereich und eine Fachstelle für Blinden- und Sehbehinderten-Seelsorge gibt. Dass wir wirklich versuchen, diese Menschen direkt zu erreichen, entsprechende Angebote haben, Kirchgemeinden in dieser Hinsicht beraten. Aber die Inklusion, von der Du sprichst, indem Kirchgemeinden das selbst bewältigen und dann auch noch über entsprechendes Know-how verfügen sollen, ist in Bayern eher noch unterentwickelt. Kirche und Inklusion ist in Bayern zwar im Gespräch, aber bei weitem noch nicht so umgesetzt wie in anderen Landeskirchen. Wobei man durchaus kritisch sagen muss, manche Landeskirchen sprechen nur von Inklusion. Die tatsächliche Umsetzung ist dann auch nicht unbedingt optimal. Diese Menschen gehen dann vor Ort verloren, weil sie niemanden mehr haben, an den sie sich wenden können. Die Kirchgemeinden sind teilweise damit auch überfordert. Von daher sind wir in Bayern dankbar, dass wir diesen Status noch haben, dass wir immerhin trotz Einsparungen noch mit eineinhalb Stellen vertreten sind, die wirklich inhaltliche - seelsorgerliche Arbeit machen können. Dazu kommt dann noch eine Assistenzstelle, die von zwei Mitarbeitenden ausgefüllt wird. Also, wir stehen noch ganz gut da! Dennoch wird sich auch für Bayern langfristig die Frage stellen, inwieweit Kirchgemeinden und andere Einrichtungen noch mehr befähigt werden müssen, unseren Auftrag ergänzend oder irgendwann diesen dann auch einmal komplett zu übernehmen. Sorge: Wenn Du Deine Dienstzeit so noch einmal vor dem inneren Auge ablaufen lässt, was waren denn schwierige Situationen und was waren eine Art Highlights? Kick: Schwierig war eine Zeit, als im letzten Jahr meine direkte Kollegin, Referentin Katrin Biendl, über eine lange Zeit, viele Monate, erkrankt, es unsicher war, wie es weitergehen wird bei ihr, Ich musste improvisieren, quasi dann auch Veranstaltungen übernehmen und planen. Dann kam mit Stephanie Harkort immerhin für ein halbes Jahr eine Vertretung, aber das Ganze Drumherum war schon schwierig zu Händeln. Dies alles hat dann auch bei mir viele Ressourcen gefordert und ein bisschen auch zu meinem verfrühten Ruhestand beigetragen. Das war aber eigentlich das Einzige, wo ich jetzt Schattenseiten sehe. Ansonsten war es eigentlich immer eine sehr motivierende Arbeit. Ich habe die vielen, vielen Kontakte mit blinden und sehenden Menschen, im Kollegenkreis, sei es in der Ökumene, aber auch deutschlandweit über DeBSS sehr, sehr genossen, immer als hilfreich und als Rückenwind erlebt. Ich bin nach wie vor dankbar gewesen, dass ich große Freiheiten hatte, um eigene Ideen einzubringen, seien es kreative, künstlerische Elemente wie „Kunst inklusiv“ mit der Hildesheimer Blindenmission zusammen, musikalische Projekte, wie gesagt, auch die Ökumene und die Reisen. Da war wirklich viel Flexibilität drin. Ein Höhepunkt war nach wie vor die Reise nach Finnland, nach Helsinki, die natürlich was ganz Besonderes auch für mich war. Sorge: An der Schwelle zum Ruhestand, ich weiß nicht, ob ich das richtig ausdrücke, wie fühlst Du dich da? Gibt es etwas, was Du Dir vorgenommen hast? Oder sagst, jetzt erst mal abtauchen? Kick: In den nächsten Wochen bis zum 30.06. empfinde ich natürlich dieses Hin- und Hergerissen sein zwischen Vorfreude, aber auch Abschiedsschmerz, die vielen Verabschiedungen mit vertrauten Menschen. Vorfreude ist natürlich auch vorhanden. Ich freue mich, im Sommer drei Monate am Stück in Finnland sein zu können. Das ist natürlich ein Luxus, der vorher nicht möglich war. Dann werde ich mich meinen Hobbys mehr widmen. Ab Herbst werde ich mir dann auch Ehrenämter suchen. Meine Frau ist ja schon im Ruhestand und hat viele Ehrenämter gefunden. Insofern würde es mir keinen Spaß machen, zu Hause zu sitzen und zu warten, bis sie dann wieder zurückkommt. Sorge: Ich danke ganz herzlich für das Gespräch zur Offenlegung wie das häufig genannt wird. Das KOM-IN-Netzwerk arbeitet recht intensiv. Ich finde es sehr gut, mit der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge Bayerns zusammen zu arbeiten, indem wir für die Online-Abonnenten des Egidien-Presse-Rundblicks die Bereitstellung und Aufbereitung übernehmen. Bei einer ganzen Reihe von Tagungen und Konferenzen des Dachverbandes sind wir uns immer wieder begegnet und haben in verschiedenen Arbeitsgruppen zusammengearbeitet. Ich erinnere mich an eine sehr konstruktive, angenehme Zusammenarbeit in den verschiedenen Fachgruppen und wünsche alles Gute für die nächste Zeit. Kick: Dankeschön! Ich wünsche aber auch KOM-IN nach wie vor eine sehr erfolgreiche Arbeit. Wie gesagt, wir waren auch sehr dankbar für die Zusammenarbeit. Da kamen viele wertvolle Tipps. Ich wünsche Euch ein gutes Weiterkommen, auch immer die finanziellen Lösungen, die dann die Arbeit ermöglichen, auch für die Zeiten, wenn die CD langsam durch andere Produkte, ersetzt wird. Dass Ihr auch dann weiterhin dieses Feld bearbeiten könnt und präsent bleibt. denn das ist unheimlich wichtig für die Menschen und die Einrichtungen vor Ort ganz, ganz wichtig. Sorge: Herzlichen Dank für das Interview. Zum Abschluss die Kontaktdaten für die Evangelische Blinden- und Sehbehinderten-Seelsorge Bayerns. Sie ist zu finden im Zentrum „Seelsorge und Teilhabe“ am Egidienplatz 33 in 90403 Nürnberg. Telefon 0911 81 00 5455 Die E-Mail-Adresse lautet bss-bayern-at-elkb.de Und die Internetadresse lautet www.bss-bayern.de Das war ein Beitrag von Jörg Sorge und dem KOM-IN-Netzwerk.
Veröffentlicht am 21.05.2026 von Sorge/ Kick
